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am 23.03.2018

Schanzen-Girls stehen vor dem Quantensprung

Freut sich auf gemeinsame Großschanzen-Weltcups mit den Männern: Olympiasiegerin Carina Vogt. Ob sie und die internati1229583391

Beim Weltcup-Finale in Oberstdorf dreht sich fast alles um die geplanten Neuerungen zur nächsten Saison. Lundby, Althaus und Vogt sollen künftig öfter mit den Männern springen. Dürfen sich ab 2019 die Besten sogar schon von Skiflugschanzen stürzen?

Oberstdorf
Dieser vor über 20 Jahren angeblich im Spaß geäußerte Satz wird Gian-Franco Kasper, dem Präsidenten des Internationalen Skiverbandes, in nächster Zeit wohl noch des Öfteren um die Ohren fliegen. Skispringen müsse eine Männerdomäne bleiben, forderte Kasper 1997, schließlich „zerreiße es den Frauen bei der Landung ja die Gebärmutter.“ Ungeachtet dessen, dass heute kein Mensch mehr eine saubere Telemark-Landung mit schwindender Zeugungsfähigkeit in Verbindung bringen würde, geht die Entwicklung des Frauenskispringens rasant weiter. So dreht sich an diesem Wochenende beim Weltcup-Finale in Oberstdorf fast alles darum, ob die Schanzen-Girls schon in der kommenden Saison zu neuen Höhenflügen ansetzen – oder ob die Pläne von Verband und Top-Springerinnen nicht doch ein bisschen abgehoben sind…

Um was geht es konkret? Die Frauen sollen bereits ab der nächsten Saison 2018/2019 hauptsächlich von Großschanzen springen. Ausgerechnet am Weltfrauentag kündigten Walter Hofer (Österreich) und Chika Yoshida (Japan), die beiden Skisprung-Renndirektoren des Internationalen Skiverbandes, unlängst bei einer Pressekonferenz in Oslo (Norwegen) an, dass Frauen und Männer künftig des Öfteren gemeinsam an einem Ort springen sollen. „Wir wollen die Synergien künftig besser nutzen“, so Hofer. „Ein gemeinsamer Daten-Service, eine gemeinsame Fernsehproduktion und eine geringere Anzahl von Offiziellen würden die Kosten enorm senken“, führte Hofer nebst der Aufwertung des Frauenskispringens als weitere Gründe an.

Aus Insiderkreisen ist zu hören: Mal wären die Frauen schmückendes Vorprogramm für Wellinger, Kraft & Co., mal würden sie in Mixed-Wettbewerben voll integriert. Die FIS klopfe derzeit gerade Weltcup-Orte ab, die bereit wären, Frauen- und Männer-Weltcups an einem Wochenende zu veranstalten. Auch die Gespräche mit den Fernseh-Stationen seien bislang sehr positiv verlaufen. Komplettiert werden soll der Weltcup-Kalender der Frauen auch künftig mit Springen von der Normalschanze. Sie abzuschaffen, komme für Hofer und Yoshida nicht infrage, schließlich sollen die Wettbewerbe von den Klein-Bakken auch künftig bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften im Programm bleiben.

Während die Vierschanzentournee als stärkste Marke des Skisprung-Weltcups als reiner Männer-Wettbewerb unverändert bleiben soll, könnten die Frauen bei der Raw-Air, der Sprungserie auf den vier Schanzen von Oslo, Lillehammer, Trondheim und Vikersund, bereits 2019 komplett mit dabei sein. Der norwegische Skiverband jedenfalls sagte seine Unterstützung schon einmal zu. Als weiterer Quantensprung, so hört man hinter den Kulissen, könnten die besten 15 Frauen zum krönenden Ende der Raw-Air-Serie sogar von der Skiflugschanze in Vikersund springen – mit einer Schanzengröße von 240 Metern und einer Rekordweite von 253,5 Metern (gehalten vom Österreicher Stefan Kraft) die mit Abstand größte Absprungrampe der Welt. Bisher untersagt das FIS-Reglement den Frauen sowohl Training als auch Wettkampf auf einer Skiflugschanze.

Über Details und das weitere Vorgehen wird das Skisprung-Komitee des Internationalen Skiverbandes Mitte April bei einer Tagung in Zürich beraten. Endgültig absegnen müsste die Neuerungen der gesamte FIS-Vorstand – mit Gian-Franco Kasper an der Spitze – beim Kongress vom 13. bis 19. Mai im griechischen Costa Navarino. Im Sommer, so kündigte Hofer an, könnte bereits eine Testphase von gemeinsamen Wettkämpfen in der Grand-Prix-Serie erfolgen.

Carina Vogt, die es als erste Olympiasiegerin in die Geschichtsbücher des Sports geschafft hat, liegt die Weiterentwicklung ihres Sports ganz besonders am Herzen. Schon bei der Nordischen Ski-WM in Lahti vor einem Jahr ergriff sie die Initiative und warb in einem Gespräch mit IOC-Präsident Dr. Thomas Bach um Aufnahme von Mixed- und Mannschaftswettbewerb ins olympische Programm. Nun hat Vogt wieder einen Vorstoß gewagt: Bei den Winterspielen in Pyeongchang, verriet die 25-Jährige vom SC Degenfeld nun im Vorfeld des Weltcup-Finales in Oberstdorf, habe sie all ihren Mut zusammengenommen und das Gespräch mit FIS-Renndirektor Walter Hofer gesucht. „Wenn wir weiterkommen wollen, müssen wir künftig öfters mit den Jungs springen“, lautete einer ihrer Wünsche. Sie wisse zwar, dass die Leistungsdichte auf der Großschanze noch nicht so groß sei, dennoch würde ein Großteil der Top-Athletinnen gerne deutlich öfter von Großschanzen springen. „Dass es jetzt so schnell geht und Herr Hofer schon in Oslo seine Pläne präsentiert, hätte ich nicht gedacht“, meinte die vierfache Weltmeisterin und ergänzte: „Natürlich muss das jetzt noch alles abgesegnet werden, aber Herr Hofer ist guten Mutes – und dann bin ich es auch.“

Das deutsche FIS-Vorstandsmitglied Alfons Hörmann, gleichzeitig Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, steht Vogt und Hofer zur Seite: „Das Frauen-Skispringen hat sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt“, sagte der 57-jährige Allgäuer vor dem Saisonfinale in Oberstdorf. Damit seien die Bedenken der Skeptiker von früher widerlegt. Hörmann bezeichnet den weiteren Ausbau der Wettbewerbe und eine sukzessive Angleichung im Wettkampfkalender „in der Sache logisch“ und führte fort: „Es wäre schön, wenn die Kräfte in dieser so faszinierenden Sportart mehr und mehr geschlechterübergreifend gebündelt werden.“ Wann weitere Schritte im Kalender von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen sowie die Erweiterung ums Skifliegen möglich würden, gelte es auf FIS-Ebene zielgerichtet zu diskutieren. Hörmann wörtlich: „Ich kann mir dabei eine offensive Vorgehensweise gut vorstellen.“

Autor: Thomas Weiß (Kürzel: twß)

am 21.03.2018

Fans hoffen auf einen Triumph für Schwarz-Rot-Gold

Hoffen auf ein schwarz-rot-goldenes Jubelwochenende: Carina Vogt (links) und Katharina Althaus beim Abschlusstraining zum Heim-W

Deutsches Team um Carina Vogt und Katharina Althaus hat beste Chancen, erstmals den Nationen-Cup zu gewinnen

Da ist noch jede Menge Pfeffer drin! Wenn die weltbesten Skispringerinnen am kommenden Wochenende zum Saisonfinale nach Oberstdorf kommen, ist Spannung bis zur letzten Springerin angesagt. Zwar hat sich die Norwegerin Maren Lundby schon frühzeitig den Sieg im Gesamt-Weltcup gesichert, doch dahinter darf sich Lokalmatadorin Katharina Althaus vom Skiclub Oberstdorf auf ihrer Heimschanze keinen Absturz erlauben, wenn sie den zweiten Platz gegen die Japanerin Sara Takanashi behaupten will. Doch Althaus ist nach den letzten Trainingssprüngen am Dienstag zuversichtlich: „Ich bin fit und es läuft alles so konstant wie bisher auch in dieser Saison“, sagt Althaus und ergänzt: „Dementsprechend überzeugt bin ich, dass ich meinen Vorsprung von 144 Punkten gegen Sara verteidigen kann.“ Dass sie am Ende der Saison noch einmal vor stattlicher Kulisse von ihrer Hausschanze springen darf, freut die Silbermedaillen-Gewinnerin von Pyeongchang in doppelter Hinsicht: „Ein Heimweltcup ist immer etwas Besonderes. Und mittlerweile muss ich mir auch keine großen Gedanken mehr um die Nervosität machen. Ich hab‘ oft genug gezeigt, dass ich beständig vorne mitspringen kann.“ In den letzten Jahren war Althaus in ihrem „zweiten Wohnzimmer“ nie ganz nach vorne gesprungen. Nach den Plätzen 26 (2 x) und 33 kratzte die 21-jährige Oberstdorferin immerhin im vergangenen Jahr als Vierte einmal am Podest.

Die gute Form von Katharina Althaus und seinem ganzen Team stimmt auch Bundestrainer Andreas Bauer zuversichtlich: Der Oberstdorfer hofft, dass sich seine Springerinnen bei den letzten beiden Wettbewerben für ihre tolle Saison belohnen und sich erstmals in der Geschichte des Frauen-Weltcups die große Kristallkugel für den Nationencup sichern. Derzeit liegen die DSV-Adlerinnen 120 Punkte vor Titelverteidiger Japan. „Wir haben aber den kleinen Vorteil, dass wir zum ersten Wettbewerb zwölf Athletinnen ins Rennen schicken können und die Japanerinnen nur sechs“, sagt Bauer und spekuliert insgeheim darauf, dass die eine oder andere Nachwuchsspringerin aus der zweiten Garde am Samstag unter die Top 30 springt und damit wertvolle Punkte für die Nationenwertung sammeln kann.
Auch Carina Vogt, die Olympiasiegerin von Sotchi, ist zuversichtlich: „Wenn wir unsere Leistungen vom letzten Training hier auch im Wettkampf zeigen, dann können wir den Deckel drauf machen.“ Vogt sähe im Gewinn des Nationenpreises den Beweis dafür, dass es „die ganze Saison in unserem Team super gepasst und Spaß gemacht hat.“ Die 26-Jährige vom Skiclub Degenfeld denkt dabei auch an die verletzte Teamkollegin Svenja Würth, die sich im Dezember beim Heimweltcup in Hinterzarten das Kreuzband gerissen hatte und für den Rest der Saison zuschauen musste. „Es wäre schön, wenn wir diesen Titel auch für Svenja noch holen könnten.“

TICKETS:
In unserem Onlineshop und an den Tageskassen gibt es noch genügend Eintrittskarten für die Wettbewerbe in der AUDI ARENA

Das Aufgebot des Deutschen Skiverbandes:

  • für Freitag/Samstag (6 plus 6 aus der nationalen Gruppe):
    Katharina Althaus (SC Oberstdorf), Carina Vogt (SC Degenfeld), Juliane Seyfarth (WSC Ruhla), Ramona Straub (SC Langenordnach), Anna Rupprecht (SC Degenfeld), Gianina Ernst (SC Oberstdorf), Luisa Görlich (SV Steinach), Agnes Reisch (WSV Isny), Ulrike Gräßler (SC Klingenthal), Pauline Heßler (WSV Lauscha), Arantxa Lancho und Selina Freytag (bd. SG Nickelhütte Aue)
  • für Sonntag: Althaus, Vogt, Seyfarth, Straub plus die zwei besten vom Samstag

Aktueller Weltcup-Stand:

1. Maren Lundby (Norwegen) 1220 Punkte
2. Katharina Althaus (Deutschland) 860 Punkte
3. Sara Takanashi (Japan) 716 Punkte
4. Yuki Ito (Japan) 576 Punkte
5. Irina Avvakumova (Russland) 522 Punkte
6. Carina Vogt (Deutschland) 488 Punkte

Aktueller Stand in der Nationen-Cup-Wertung:

1. Deutschland 2690 Punkte
2. Japan 2570 Punkte
3. Norwegen 1845 Punkte
4. Slowenien 1763 Punkte
5. Russland 1450 Punkte
6. Österreich 1213 Punkte

Die Top 3 der bisherigen Weltcups in Oberstdorf:

24. Januar 2015 (HS 106): 1. Iraschko-Stolz (A), 2. Vogt (D), 3. Takanashi (JPN)
25. Januar 2015 (HS 106): 1. Iraschko-Stolz (A), 2. Vogt (D), 3. Henrich (USA)
30. Januar 2016 (HS 106): 1. Takanashi (JPN), 2. Iraschko-Stolz (A), 3. Klinec (SLO)
31. Januar 2016 (HS 106): 1. Takanashi (JPN), 2. Iraschko-Stolz (A), 3. Lundby (NOR)
07. Januar 2017 (HS 137): 1. Takanashi (JPN), 2. Avvakumova (RUS), 3. Ito (JPN)
08. Januar 2017 (HS 137): 1. Takanashi (JPN), 2. Klinec (SLO), 3. Avvakumova (RUS)

Bisherige Platzierungen der derzeit besten DSV-Starterinnen in Oberstdorf (beginnend 2015)

Katharina Althaus: 6/26/26/33/4/10
Carina Vogt: 2/2/28/23/5/8
Juliane Seyfarth: 22/20/16/DSQ/20/39
Ramona Straub: 37/-/24/-/33/33

Nationenwertung der vergangenen Jahre:

2011/2012: 1. USA 2228, 2. Deutschland 1601, 3. Japan 1251.
2012/2013: 1. USA 2260, 2. Slowenien 2041, 3. Japan 1930, …, 6. Deutschland 1077
2013/2014: 1. Japan 2981, 2. Deutschland 2364, 3. Slowenien 1933
2014/2015: 1. Österreich 1970, 2. Japan 1638, 3. Deutschland 1481
2015/2016: 1. Österreich 2886, 2. Japan 2565, 3. Slowenien 2290, 4. Deutschland 1358
2016/2017: 1. Japan 3357 Punkte, 2. Deutschland 2685, 3. Slowenien 1674

Text/Foto/Statistiken: Thomas Weiß, 21.03.2018

am 06.03.2018

Audi FIS Ski-Weltcup Ofterschwang/Allgäu 2018

Viktoria Rebensburg

Der Ski-Weltcup der Damen kehrt ans Ofterschwanger Horn zurück

Die besten Ski-Athletinnen der Welt werden beim Audi FIS Ski-Weltcup 2018 in Ofterschwang/Allgäu wieder an den Start gehen. Bereits zum 8. Mal gastiert der internationale Ski-Zirkus in der Oberallgäuer Gemeinde. Anfang März - am 09. und 10.03.2018 - kämpft am Ofterschwanger Horn die absolute Weltklasse im Slalom und Riesenslalom um den Sieg und wichtige Weltcup-Punkte. Knapp zwei Wochen nach den olympischen Winterspielen im koreanischen Pyeongchang dürfen sich die Zuschauer auf die frisch gebackenen Olympiasiegerinnen freuen. Die Rennen in Ofterschwang finden zudem kurz vor dem großen Weltcup-Finale in Åre (Schweden) und deshalb an einem Freitag und Samstag statt.

Der OK-Präsident Michael Fäßler freut sich, dass nach dem witterungsbedingten Ausfall 2016 Ofterschwang durch die FIS und den DSV wieder das Vertrauen geschenkt wurde einen Ski-Weltcup im Allgäu durchzuführen. „Das OK und die zahlreichen Helfer werden wieder alles daran setzten, den Weltcup in Ofterschwang zu einer gelungenen Veranstaltung zu machen“, versichert er. Ofterschwangs Bürgermeister Alois Ried betont die wichtige Bedeutung des Weltcups für den Ort und die gesamte Region. „Der Weltcup ist für Ofterschwang und das Allgäu die wichtigste alpine Veranstaltung und wir sind für den Termin Anfang März bestens gerüstet“, sagt er. Und auch was das Thema Neuerungen anbelangt haben sich die Organisatoren um die Generalsekretäre Dominik Fritz und Hanspeter Schratt einiges einfallen lassen: „Unseren Zuschauen im Zielraum bieten wir kostenfreies W-Lan an. Zudem werden wir an der Weltcup-Hütte eine zusätzliche Videowall installieren um die Atmosphäre an der Strecke noch weiter zu verbessern.“

Zeitplan:

Freitag, 09.03.2018
11.00 Uhr 1. Lauf Riesenslalom, Ofterschwanger Horn
14.00 Uhr 2. Lauf Riesenslalom, Ofterschwanger Horn
18.30 Uhr Siegerehrung Riesenslalom und Startnummernauslosung Slalom, Rathausplatz Sonthofen

Samstag, 10.03.2018
09.30 Uhr 1. Lauf Slalom, Ofterschwanger Horn
12.30 Uhr 2. Lauf Slalom Ofterschwanger Horn
anschließend Siegerehrung, Slalom im Skistadion Ofterschwang

Änderungen des Zeitplans vorbehalten!

Weitere Informationen rund um den Audi FIS Ski-Weltcup Ofterschwang/Allgäu erhalten Sie unter www.weltcup-ofterschwang.de oder unter der Informationshotline 08321/3086 111

am 02.03.2018

Helden von morgen

Oberstdorf begrüßt mit den Olympia-Stars auch die Teilnehmer der Junioren-Weltmeisterschaft

Auch die Helden von morgen haben ihre große Bühne bekommen. Die Teilnehmer an der Junioren-Weltmeisterschaft, Celine
Mayer (Langlauf), Gianina Ernst, Philipp Raimund (Skispringen) und Julian Schmid (Nordische Kombination) wurden anlässlich des Olympia-
Empfanges in Oberstdorf geehrt. Der 17-jährige Philipp Raimund, Goldmedaillengewinner im Teamskispringen von Kandersteg (Schweiz), sagte:
„Wir wollen und werden alles geben, damit wir auch mal zu Olympia dürfen.“ Und sein kombinierender Clubkollege Julian Schmid (ebenfalls 17)
schaute Richtung der Olympiasieger Johannes Rydzek und Vinzenz Geiger und meinte: „Es beflügelt einfach, wenn wir mit den Weltbesten in einem
Verein trainieren dürfen.“ Gianina Ernst, die 2014 im russischen Sotschi noch als jüngste Olympia-Teilnehmerin Geschichte geschrieben hatte,
war diesmal zwar anfänglich enttäuscht, nicht dabei sein zu dürfen – doch als sie ihre Teamkolleginnen um Katharina Althaus dann um Edelmetall gekämpft
hätten, habe sie natürlich die Daumen gedrückt und ihnen die Teilnahme von ganzem Herzen gegönnt.

Allgäuer Anzeigeblatt, 02.03.2018
Foto: Dominik Berchtold

am 28.02.2018

Großer Bahnhof für Allgäuer Sportler

Olympiaempfang

3.000 Fans kommen in den Nordic Park von Oberstdorf, um die erfolgreichen Athleten und Trainer bei den Winterspielen von Pyeongchang hochleben zu lassen

Ein buntes Feuerwerk setzte gestern Abend im Nordic Park von Oberstdorf den krachenden Schlusspunkt hinter eine olympische Medaillenfeier, die Deutschlands südlichste Gemeinde so bisher noch nicht erlebt hatte. 3.000 Zuschauer kamen trotz klirrender Kälte von minus 14 Grad und bereiteten den erfolgreichen Athleten und Trainern aus dem Allgäu einen triumphalen Empfang – zwei Tage, nachdem die Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang zu Ende gegangen waren.

Wie vor einem Jahr nach der erfolgreichen Nordischen Ski-WM in Lahti startete auch diesmal ein Festumzug vom rappelvollen Vorplatz des Bahnhofs durch die Fußgängerzone zum Nordic Park. Trotz der Minusgrade standen etliche Oberstdorfer an ihren Fenstern und winkten den erfolgreichen Sportlern um Doppelolympiasieger Johannes Rydzek zu. Die Athleten standen auf einem Doppeldeckerbus, begleitet von der Musikkapelle Oberstdorf und einer Schar von Kindern und Jugendlichen, die mit Fackeln und Fahnen vorausliefen. Nachdem der Partybus am Oberstdorf Haus angekommen war, bejubelten Tausende Wintersport-Fans – ausgestattet mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen – die Sportler. Wie fast immer in Oberstdorf sorgte leichter Flockenwirbel für die ideale Kulisse.

Auf der großen Bühne ernteten die Medaillengewinner naturgemäß den größten Applaus. Johannes Rydzek, der beide Goldmedaillen um den Hals hängen hatte, wunderte sich über die Riesenbegeisterung: „Und das bei der Kälte. Der Nordic Park wird ja langsam zu klein.“ Der 26-jährige freute sich doppelt über die Erfolge in Korea, nachdem er kurz vor den Spielen seiner Form weit hinterhergehinkt war. „Der Sieg über mich selbst war der größte Erfolg. Wahnsinn, dass ich mich da selbst rausgekämpft habe.“

Vinzenz Geiger merkte an: „Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis ich realisiere, warum mich die Leute jetzt als Olympiasieger ansprechen.“ Skispringerin Katharina Althaus freute sich, genau zum richtigen Zeitpunkt zwei richtig gute Sprünge zu Silber gezeigt zu haben. Die beiden Team-Silberlinge Karl Geiger und Richard Freitag hatten als einzige ihr Edelmetall nicht dabei, was Moderator Jens Zimmermann locker entschuldigte: „Kein Problem, ist ja eure erste...“ Und die Snowboarderin Selina Jörg erzählte, dass sie mit ihrem Freund mal durch die Wohnung gelaufen sei und geschaut habe, wo sie die Silbermedaille denn hinhängen könne. „Aber wir sind noch nicht fündig geworden.“

Ohne Medaille blieben Tina Geiger, Alexander Schmid (beide Ski alpin) sowie Eiskunstläuferin Nicole Schott. Sie wiesen darauf hin, dass allein die Qualifikation für die Winterspiele für sie ein Riesenerfolg gewesen sei und sie ihre Teilnahme in Korea absolut genießen konnten.

Oberstdorf ließ auch die Trainer hochleben: Stellvertretend nahmen die Eiskunstlauf-Trainer Alexander König und Martin Skotnicky, Kombi-Coach Kai Bracht, die Frauen-Skisprung-Trainer Andreas Bauer und Peter Leiner sowie Stützpunkt-Sprungtrainer Christian Raimund die Glückwünsche entgegen. Andi Bauer blickte auf Korea zurück und bereits voraus auf Peking 2022: „Wir haben sehr viel Werbung gemacht für unsere Sportart und hoffen, dass wir in vier Jahren auch einen Teamwettkampf ausrichten dürfen.“ Martin Skotnicky geriet ob der Traumkür von Savchenko/Massot ins Schwärmen („einzigartig, sowas ähnliches habe ich nur beim Traumpaar Torvill/Dean gesehen“), während Alexander König die Zukunft des Oberstdorfer Goldpaares weiter offen ließ. Ob es schon einen Plan gebe, wie es weiter geht, fragte ihn Jens Zimmermann – und König antwortete: „Unser Plan ist kein Plan. Wir machen das Beste aus jeder
Sekunde.“ Das Paar konnte beim Empfang in Oberstdorf nicht dabeisein, weil sie laut ECO-Vorsitzendem Harald Löffler vertragliche Verpflichtungen bei einem Schaulaufen in der Schweiz hätten. „Wir haben alles versucht, aber da kamen die beiden nicht raus.“

Zuvor hatten Oberstdorfs Bürgermeister Laurent Mies und Skiclub-Vorsitzender Dr. Peter Kruijer die funktionierenden Strukturen in Oberstdorf gelobt – von all den Einrichtungen bis hin zum Nachwuchstrainer. Und der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz mahnte einmal mehr: „Diese Erfolge müssen wir dazu nutzen, die Vorbereitungen auf die Nordische Ski-WM 2021 jetzt zügig anzugehen.“

Text: Thomas Weiss, Allgäuer Anzeigeblatt, 28.02.2018

am 27.02.2018

Empfang der erfolgreichen Olympia-Sportlerinnen und Sportler

Olympia-Empfang auf dem Marktplatz

Die für Sportlerinnen und Sportler größte und bedeutendste Sportveranstaltung der Welt, die Olympischen Spiele, sind zu Ende. Spannende Tage in PyeongChang mit am Ende fast 100 Entscheidungen liegen hinter Athletinnen und Athleten, Trainerinnen und Trainern, Betreuerinnen und Betreuern und auch den Zuschauerinnen und Zuschauern.

Die für Sportlerinnen und Sportler größte und bedeutendste Sportveranstaltung der Welt, die Olympischen Spiele, sind zu Ende. Spannende Tage in PyeongChang mit am Ende fast 100 Entscheidungen liegen hinter Athletinnen und Athleten, Trainerinnen und Trainern, Betreuerinnen und Betreuern und auch den Zuschauerinnen und Zuschauern. Dass Olympia immer wieder seine eigenen Gesetze schreibt, zeigen auch die vielen Überraschungssiegerinnen und -sieger, die aus den Bewerben hervorgingen. Auch die deutschen Sportlerinnen und Sportler konnten ihre Klasse in zahlreichen Entscheidungen unter Beweis stellen, was der aktuelle Blick in den Medaillenspiegel zudem noch deutlich untermauert.

Natürlich darf man bei Olympia aber nicht nur die Medaillen zählen, auch die vielen weiteren absoluten Top-Platzierungen sollten nicht unbeachtet bleiben. Gerade die jüngeren Sportlerinnen und Sportler im deutschen Team wecken hier Hoffnungen für die kommenden Jahre. Eine große Anzahl von Athletinnen und Athleten des deutschen Teams kam dabei wieder aus Oberstdorfer Vereinen bzw. aus dem Stützpunkt Oberstdorf, was die hervorragenden Bedingungen hier vor Ort untermauert.

Der Markt Oberstdorf, der Skiclub Oberstdorf und der Eissportclub Oberstdorf würdigen diese hervorragenden Leistungen und laden recht herzlich zum Empfang für die Oberstdorfer Olympia-Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein. Um 18.30 Uhr werden die Oberstdorfer Olympia-Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Bühne im Oberstdorfer Kurpark erwartet. Zuvor – ab 18.15 Uhr – werden die Athletinnen und Athleten in Begleitung der Musikkapelle Oberstdorf und Fackelträgern vom Bahnhof durch die Fußgängerzone zum Kurpark begleitet. Bürgermeister Laurent O. Mies, die Vorsitzenden von Skiclub Oberstdorf und Eissportclub Oberstdorf, Dr. Peter Kruijer und Harald Löffler sowie zahlreiche weitere Ehrengäste und begeisterte Fans nehmen die Sportler in Empfang.

Feiern auch Sie mit uns die erfolgreichen Olympia-Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Dienstag, 27. Februar 2018, um 18.30 Uhr, im Nordic Park Oberstdorf.

am 20.02.2018

Mit Spitzenläuferinnen auf die Runde

Copyright: Günther Jansen

Wintersporttag mit prominenter Unterstützung in Oberstdorf

Das Allgäuer Anzeigeblatt und der Skiclub Oberstdorf veranstalteten wieder zusammen mit dem FIS World Snow Day den Nordic Day 2018 – und wie gewohnt strömten die Interessierten in großer Zahl hinaus ins Langlaufstadion im Ried. Von 11 bis 15 Uhr durfte man alles nach Herzenslust ausprobieren, Ski, Schuhe, Stöcke der Firmen Fischer, Atomic, Salomon und Leki ausleihen, an Schnupperkursen der Langlaufschule Oberallgäu teilnehmen, sich die Langlaufbretter von Wachs-Profi Willi Hartmann von Holmenkol präparieren lassen und viele Tipps ergattern oder auch eine große und gemütliche Runde auf Schneeschuhen unternehmen. Zudem durfte man seine Schießkünste wieder an der Laser-Biathlon-Anlage austesten und beim Schnee-Tubing in einem Gummireifen den Hang hinunter sausen.

Schlittenhunde waren ebenso vor Ort und der Nachwuchs konnte sich bei der ASV-Talentiade austoben – durch den Stangenwald, über gerollte Teppiche oder unter Riesenslalomtore hindurch, aber immer mit den Langlaufbrettern unter den Schuhen. Neu beim Nordic Day waren der
„Nordic Fun Run“ und der „WISBI-Sprint“ (Wie schnell bin ich), beides präsentiert von der Sparkasse Allgäu und begleitet von zwei prominenten Langläuferinnen: Evi Sachenbacher-Stehle und Katrin Vallet legten über
eine Distanz von 500 Meter Rundenzeiten vor, an denen man sich messen konnte. Gemeinsam mit Nordic Day-Besuchern begaben sich die beiden zudem auf die Genuss-Runde der Weltcup-Strecke ohne Zeitnahme. Die
Teilnehmer erhielten Urkunden, Medaillen, durften sich Autogramme abholen und mit den ehemaligen Spitzenläuferinnen das eine oder andere Handy-Selfie schießen.

Text: Jansen/Allgäuer Anzeigeblatt 19.02.2018

am 20.02.2018

Kampf um die Nummer eins: Schlägt Johannes Rydzek zurück?

Johannes Rydzek mit seinen mittlerweile sechs Goldmedaillen

Der Oberstdorfer Johannes Rydzek und Frenzel sind das Maß der Dinge und sportliche Rivalen

Johannes Rydzek genehmigte sich einen Schluck aus der Magnum Sektflasche, die zur Feier von Eric Frenzels Olympiasieg im Team der deutschen Kombinierer kreiste. In den Lob-Gesang „Es gibt nur einen Eric Frenzel“ stimmte er aber nicht ein. Verständlicherweise. Zwischen dem Oberstdorfer Rydzek und Frenzel geht es schließlich darum, wer Nummer eins in der Nordischen Kombination ist. Nicht nur innerhalb der Mannschaft, sondern weltweit. Der Sachse Frenzel ist dem Bayern Rydzek seit vergangener Woche wieder zwei Schritte – sprich Olympiasiege – voraus. Schlägt Rydzek nun beim zweiten Wettbewerb zurück?

DieTrainingsergebnisse lassen es erahnen. Frenzel und Rydzek sind zwei Alphatiere in einem Team. Frenzel gewann fünfmal in Serie den Gesamtweltcup, Rydzek krönte sich mit vier Titeln in Lahti zum Rekordweltmeister der Nordischen Kombination. Doch mit jedem Erfolg des anderen wuchs die sportliche Rivalität. Die Probleme der beiden im bisherigen Saisonverlauf schiebt Bundestrainer Hermann Weinbuch auch dem internen Konkurrenzkampf zu. Er betont aber immer wieder, dass es sich um rein sportliche Rivalität handelt. Bei teambildenden Maßnahmen wie zuletzt einem Hüttenabend in Oberstdorf sah man Frenzel und Rydzek gemeinsam nebeneinander die Schlitten nach oben ziehen und miteinander reden. Frenzel bestätigt: „Wir versuchen das gut zu händeln, auch außerhalb des Sports gemeinsam etwas zu machen und miteinander zu reden.“

Text: dpa

am 20.02.2018

Karle Geiger gewinnt Silber

In einem spannenden Duell mit Polen gewinnen Karle Geiger, Leyhe, Freitag und Wellinger mit haudünnem Vorsprung Silber

Wenn ihnen das einer vor der Saison gesagt hätte, sie hätte denjenigen für verrückt erklärt. Aber nun war es Fakt. Michael Hayböck vom Team Österreich, mit dem sich die Deutschen seit vielen Jahren heiße Duelle liefern, war gerade gelandet und hatte den undankbaren vierten Rang für Rot-Weiß-Rot gesichert. In diesem Moment hätte Andreas Wellinger auf die Kleinschanze nebenan umziehen und mit einem Sicherheitssprung locker die Olympia-Medaille beim Teamspringen sichern können. Doch das Ziel von Wellinger, der bei diesen Spielen schon Gold und Silber gewonnen hatte, war ein anderes. Er wollte die beiden noch oben stehenden Kamil Stoch (Polen) und Robert Johansson (Norwegen) mit einem weiteren Supersatz unter Druck setzen – auf dass vielleicht doch noch mehr herausspringe als nur die Komplettierung seines Medaillensatzes mit Bronze.

Zwar gelang dem 22-jährigen Überflieger im deutschen Team mit 134 Metern kein so guter Satz mehr, wie im ersten Durchgang, dennoch leuchtete die Eins auf. Und prompt: Kamil Stoch aus Polen zeigte Nerven, bekam vier Punkte weniger als Wellinger und fiel knapp hinter Deutschland zurück.

Nun war er wieder da, der Traum von Gold. Der Traum davon, den Olympiasieg von Sotschi zu wiederholen. Doch Johansson, der wie Wellinger in allen drei Olympia-Bewerben eine Plakette holte, zupfte nicht mal an seinem Bart, blieb nervenstark und setzte mit einem Satz auf 136 Metern ein Ausrufezeichen hinter den Sieg der Skandinavier.

Wellinger war dennoch ebenso geplättet wie die beiden Olympia-Debütanten Karl Geiger und Stephan Leyhe, die sich nicht nur ein Sonderlob von Bundestrainer Werner Schuster abholten („Grandios vor allem, wie sich Karl hier in den letzten Tagen reingefuchst hat.“), sondern wie Freitag ihre erste Olympiamedaille gewannen. Der 26-jährige Sachse,
der seit Sommer in Oberstdorf trainiert, zeigte im Moment seines größten Triumphs Größe und bezog den für Leyhe ausgebooteten Markus Eisenbichler explizit in sein Lob ein, als er sagte: „Wir sind einfach ein geiles Team.“

In Sotschi hatte Freitag noch zuschauen müssen, wie Wellinger, Marinus Kraus, Severin Freund und Andreas Wank überraschend zu Gold gesegelt waren. „Ich weiß, wie sich das anfühlt“, sagte Freitag.

Der Oberstdorfer Karl Geiger, dessen Eltern zum Daumendrücken nach Südkorea gekommen waren, hatte Schuster das Vertrauen zurückgezahlt, das dieser ihm als Startspringer geschenkt hatte. „Ich war zwar nervös, aber ich bin konzentriert geblieben und hab’ zwei gute Sprünge runtergebracht. Ich freue mich riesig über Silber“, jubelte der 25-Jährige, der in Pyeongchang endgültig vom Karle zum Karl gereift ist.

Wellinger schaffte sogar Historisches: Er ist der erste deutsche Springer, der drei Medaillen bei den gleichen Spielen holte. „Ein Traum“, sagte der 22-Jährige, dem Bundestrainer Schuster eine große Zukunft voraussagt, „wenn er vernünftig bleibt.“ Deshalb werde jetzt gefeiert – und nächste Woche wieder trainiert, schließlich sei im Gesamtweltcup noch was drin. „Wie hart eine Olympia-Medaille erarbeitet werden muss, das weiß man erst, wenn man mal keine mehr macht. Fragt nach bei den Österreichern.“

am 13.02.2018

Althaus’ Sprung ins Glück

Die Oberstdorferin gewinnt Silber in einem anstrengenden Wettkampf

Juliane Strähle kennt Katharina Althaus wie kaum eine andere. Die Physiotherapeutin ist so etwas wie die gute Seele bei den deutschen Skisprung-Frauen. Für jede Art von Feiern, ob Geburtstage oder Top-Ergebnisse im Weltcup, ist sie die Cheforganisatorin. Meist stellt die gebürtige Heilbronnerin dafür ihr Hotelzimmer zur Verfügung. Katharina Althaus, die 21-jährige Oberstdorferin, sei eine, die bei den Zimmerpartys
stets zu den Stimmungskanonen gehöre. Auch in der gestrigen Nacht feierten die deutschen Skispringerinnen wieder eine Sause – nur um etliche Nummern größer – und mit Katharina Althaus im Mittelpunkt.

Die Allgäuerin bestätigte in einer spannenden Konkurrenz ihre diesjährige Topform und gewann hinter der Weltcup-Führenden Maren Lundy aus Norwegen und vor der Japanerin Sara Takanashi die erste deutsche Silbermedaille in Pyeongchang. „Es ist einfach Wahnsinn“, sagte Althaus noch sichtlich bewegt, „als ich das Ergebnis an der Anzeigentafel sah, wusste ich, dass für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen ist: eine olympische Medaille zu gewinnen.“ Althaus hatte beim wichtigsten
Wettkampf der Saison wie ein Uhrwerk funktioniert – und das, obwohl Juliane Strähle untertags eine „ungewöhnlich große Anspannung“ bei der Oberstdorferin bemerkt hatte.

Im ersten Durchgang, der mehrfach wegen wechselnder Winde unterbrochen werden musste, zeigte sie sich nervenstark und schaffte mit 106,5 Meter den weitesten Satz. Die Halbzeitführung aber schnappte sich ihre stärkste Widersacherin im Weltcup, die Norwegerin Lundby, die sich die Butter auch im zweiten Durchgang nicht mehr vom Brot nehmen ließ und mit der Tagesweite von 110 Meter ein Ausrufezeichen hinter ihre Goldmedaille setzte.

Trotz der schwierigen Bedingungen spiegelten die Ergebnislisten nach dem ersten und zweiten Durchgang auf den Top-3-Plätzen exakt die Weltcup-Gesamtwertung wieder. Am wenigsten glücklich wirkte die Japanerin Takanashi, die im mit etwa 2.000 Besuchern spärlich besetzten Stadion die meisten Fans und damit wohl den meisten Druck hatte. Titelverteidigerin Carina Vogt wurde ihrer Rolle als Favoritenschreck diesmal nicht gerecht. Die 26-Jährige vom SC Degenfeld hatte aber das größte Pech, musste sie doch vor ihrem ersten Sprung fast fünf Minuten am Schanzenturm warten. Mit Sprüngen von 97 und 105 Meter wurde sie Fünfte, gratulierte als Erste ihrer Teamkollegin Althaus und zeigte sich als faire Verliererin: „Natürlich freue ich mich am meisten für die Katha. Ich hätte es ihr auch gegönnt, dass sie Maren Lundby noch überholt. Mit 21 Jahren eine Silbermedaille bei Olympischen Spielen zu holen, damit kann man, glaube ich, ganz zufrieden sein.“

Auch Bundestrainer Andreas Bauer strahlte: „Wir sind alle mega stolz. Es stand viel auf dem Spiel“, sagte der Medaillenschmied, der Vogt bei Olympia 2014 und den Weltmeisterschaften 2015 und 2017 zum Triumph geführt hatte. Andreas Wellinger, der am Samstag an gleicher Stätte Gold gewonnen hatte, war gekommen, hatte den Springer-Kolleginnen vor dem Wettkampf im Container viel Spaß gewünscht und hinterher zu den ersten Gratulanten gezählt. „Toll, dass die Jungs da waren“, sagte Althaus und blickte bereits nach vorn. Sie wünsche sich auch bei Olympia künftig einen Team-Wettbewerb für Frauen und eine Mixed-Staffel. „Schade, dass ich hier nicht mehr springen darf. Ich könnt’ grad so weitermachen“, sagte sie grinsend. Althaus zeigte stolz ihre schwarzrot-goldenen Fingernägel, die sie sich vor der Abfahrt an die Schanze aus Langeweile noch lackiert hatte und vergaß nicht, Grüße und ein Dankeschön in die Heimat zu schicken.
Nach einem wahren Interview-Marathon freute sich Althaus auf die Fahrt ins Deutsche Haus: „Jetzt werden wir erst mal g’scheit feiern – mit Bier, so wie man das als Oberallgäuer halt macht“, kündigte Althaus eine zünftige Nacht an. Und Juliane Strähle grinste nur, weil sie wusste, ihr Zimmer wird wieder gebraucht…

Text: Allgäuer Anzeigeblatt, 13.02.2018

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