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am 29.12.2018

Brasilianer bewundert „verrückte“ Sportart

Gabriel Alcantora aus Brasilien

Gabriel Alcantora und sein Freund Getulio Ferreira aus Brasilien fiebern bei der Vierschanzentournee in Oberstdorf mit

Der Brasilianer Gabriel Alcantora dürfte bei der Vierschanzentournee einer der Zuschauer mit der weitesten Anreise sein. Der 32-Jährige ist derzeit bei Freunden in Vorarlberg zu Gast und nutzte seine Kontakte zum Sports-
und Trainerkollegen, dem Sonthofener Realschul-Lehrer Steffen Lenz, um beim Tourneeauftakt in Oberstdorf dabei zu sein. Alcantora zeigte sich am Qualifikationstag begeistert vom Skispringen. „Ein bisschen verrückt müssen sie schon sein, dass sie sich da hinunterstürzen“, meinte der Brasilianer, der in seinem Heimatland während der Olympischen Spiele als Kommentator für Badminton beim Sender SporTV agierte. Er bewunderte im Skisprungstadion die „kompletten Sportler“, die sich so mutig, athletisch und mental stark präsentierten. Seine Impressionen hielt Alcantora auf Video fest und wird so fürs Skispringen und den Auftaktort der Vierschanzentournee mit TV-Einspielern in seinem Heimatland kräftig werben. Man sollte es nicht glauben, aber sogar in dem lateinamerikanischen Land, in dem sich alles um Fußball zu drehen scheint, wird die Tournee auf Globo TV gesendet.

Unser Bild zeigt Gabriel Alcantora mit seinem Freund Getulio Ferreira (rechts)

am 29.12.2018

Österreicher Stefan Kraft holt sich Quali-Sieg

Scheckübergabe

Zwölf deutsche Athleten schaffen den Sprung in den morgigen Wettkampf

Oberstdorf ist offenbar sein Wohnzimmer. Nachdem die bisherige Saison für die Austria-Adler nur mäßig verlief, holte sich völlig überraschend Stefan Kraft den Sieg und die 5.000-Euro Preisgeld in der Qualifikation beim Tourneeauftakt am Schattenberg. Mit gleicher Weite (138,5 Meter), aber einer höheren Punktzahl ließ der Österreicher, der schon zweimal das Auftaktspringen in Oberstdorf gewann, den großen Favoriten Ryoyu Kaboyashi (JPN) hinter sich. Dritter wurde Piotr Zyla aus Polen mit 137,5 Metern.

Die deutschen Springer schufen sich vor 15.500 begeisterten Zuschauern gute Ausgangspositionen für den Wettkampf morgen. Zwölf Athleten des DSV schafften den Sprung unter die besten 50, die morgen im K.O. - Wettkampf antreten.
Severin Freund wird es mit Naoki Nakamura (JPN) zu tun bekommen. Lokalmatador Karl Geiger tritt Anders Fannemel (NOR) an. Youngster Felix Hoffmann springt gegen Jakub Wollny (POL). Ein deutsch-deutsches Duell liefern sich Stephan Leyhe und Martin Hamann. Knifflig wird es für Pius Paschke gegen den Skiflug-Weltmeister Daniel-Andre Tande (NOR). Constantin Schmid hat es mit Manuel Fettner (AUT) zu tun. Richard Freitag kämpft gegen den einzigen Bulgaren im Feld, Vladimir Zografski. Andreas Wellinger geht in die Ausscheidung gegen Markus Schiffner (AUT) und David Siegel muss in den Wettkampf gegen Junshiro Kabayashi (JPN).Markus Eisenbichler duelliert sich mit Jernej Damian (SLO) und Nachwuchsspringer Moritz Bär geht gegen Timo Zaij SLO) in die Anlaufspur.

In der Qualifikation mussten aber auch bekannte Athleten ihre Träume begraben. So gab es weder für Domen Prevz (SLO) noch für Altmeister Noriaki Kasai (JPN) ein Weiterkommen. Auch für den Polen Maciej Kot lief es überhaupt nicht gut. Alle drei dürfen beim Wettkampf morgen nur zuschauen.
Morgen gilt es: Um 15.00 Uhr beginnt der Probedurchgang. Der Wettkampf startet um 16.30 Uhr. Stadioneinlass ist um 12.00 Uhr

am 28.12.2018

„Es geht lo-oos“

Die perfekte Welle

Tolle Eröffnungsfeier zur 67. Vierschanzentournee im Nordic Park

Die Spannung war zu spüren: Bei den Sportlern steigt der Adrenalinspiegel und die Zuschauern sind begeistert. Eine tolle Eröffnungsfeier der 67. Vierschanzentournee erlebten gestern Abend rund 2.500 Fans im Oberstdorfer Nordic Park. Die besten Springer der Welt und zum Abschluss die gesamte deutsche Mannschaft präsentierten sich auf der Bühne im Kurpark. Auf dem Weg dorthin gab es ein „Bad“ in der begeisterten Zuschauermenge, viele zu erfüllende Autogrammwünsche und das ein oder andere Selfie. Nur die Polen um den Vorjahressieger Kamil Stoch mussten die Feier auslassen, weil sich ihre Anreise aufgrund der vollen Straßen verzögert hatte.
Auf der Bühne wurde dann das berühmte Nähkästchen geöffnet und kleine Geheimnisse ausgeplaudert. So erfuhren die Zuschauer, dass es beim Tschechen Roman Koudelka an Weihnachten Schnitzel und anschließend zwei Tage nur Äpfel zu essen gab. Domen Prevc (Slowenien) vergnügte sich unterdes in einem Wellness-Urlaub, während Bruder Peter Weihnachten mit seiner Freundin zu Hause genoss. Und Markus Eisenbichler verriet, wie froh er sei, dass die zwei Wochen Pause nun endlich herum sind. „Da war es dann schon fast langweilig“, meinte er schmunzelnd. Großen Jubel gab es vor allem für Lokalmatador Karl Geiger, der, wie letztes Jahr Richard Freitag, die Rolle des Favoriten übernommen hat. Der Oberstdorfer, der so locker mit seinen Erfolgen in dieser Saison umgeht, wurde vom Publikum gefeiert.
Gefeiert wurde aber auch in der WM-Bar bis in die späte Nacht. Da waren die Springer schon längst wieder in ihren Quartieren, denn zum Tourneestart heißt es fit sein. Die Qualifikation beginnt um 16.30 Uhr. Und das schönste: Während für den Wettkampftag alle Karten vergriffen sind, gibt es für die Quali noch Tickets an der Tageskasse.

am 27.12.2018

Weihnachtswünsche aus dem Skisprungstadion

Weihnachtsgrüße aus der Audi Arena

Vierschanzentournee In Oberstdorf laufen die Vorbereitungen für das Auftaktspringen am Samstag und Sonntag auf Hochtouren. Die Eröffnungsparty steigt am Freitag um 19 Uhr

Das hat inzwischen Tradition im Skisprungstadion: Mitten im Trubel der Vorbereitungen zur Vierschanzentournee haben die Mädels der Skisport- und Veranstaltungs GmbH (SVG) am Heiligabend einen kurzen Schnitt gemacht und sich in schriller Kostümierung im Schanzenauslauf aufgestellt, um allen Skisprungfans eine „Frohe Weihnacht“ zu wünschen. Da turnten muntere Schnee -und Weihnachtsmänner auf dicken Brillengestellen und auf jedem Schopf glänzte ein reichlich geschmückter Christbaum. „So viel Zeit muss sein“, waren sich die sechs Frauen einig, als sie im Schanzenauslauf fürs Foto vergnügt aus der Reihe tanzten. Ihre Weihnachtsfeier, das wissen sie inzwischen, wird wie immer im Sommer nachgeholt.

Die Weihnachtszeit ist an der Skisprungschanze in Oberstdorf alles andere als besinnlich. Letzte Vorbereitungen zur Tournee müssen getroffen werden. „Das grobe Gerüst steht, aber der Feinschliff wird in den letzten Tagen und Stunden erledigt“, erklärt der Geschäftsführer der SVG, Florian Stern. Gerüste stehen, Zusatztribünen sind aufgebaut, das Glaszelt zwischen den Schanzen ist ebenso aufgerichtet wie die Videowand, die die spektakulären Sprünge der weltbesten Skispringer für die Zuschauer vom Anlauf bis zur Landung in den Fokus nimmt. Die vielen hundert Helfer sind eingekleidet, die Akkreditierungen laminiert und die Autos für den Shuttle-Dienst in Salzburg abgeholt. Alle Ressort- und Bereichsleiter sind seit Wochen im „Stand-by-Modus“ und mit ihren ehrenamtlichen Helfern im engen Kontakt.

Wie die Schneekönige gefreut haben sich die Verantwortlichen im Organisationskomitee über die kalten Temperaturen Mitte Dezember. „Die Bedingungen waren endlich so gut, dass wir in vier Tagen und Nächten ausreichend Schnee produzieren konnten, um die Anlage in einen Topzustand zu bringen“, berichtet sich Florian Stern. Der Dauerregen in den vergangenen Tagen war kein Problem.

Weil alles so gut nach Plan läuft, heißt das auch, dass sich die SVGler über Weihnachten eine klitzekleine Auszeit nehmen durften. „Der erste Weihnachtstag war frei“, sagt Marketing-Chef Stefan Weidhaas. Auch die Dienstleister haben sich die kurze Pause gegönnt. Dafür ging es gestern mit Vollgas weiter, damit die Tournee-Tage erfolgreiche Tage werden. Die Caterer richten sich erst kurz vor Veranstaltung ein, die TV-Trucks rollen an und der Schanze wird der Feinschliff verpasst. Auch vermeintliche Kleinigkeiten gehören dazu: Tannenzweige für den Daaskreis müssen her, die Best-to Beat-Linie wird eingestellt und die Laubbläser postiert. Doch nicht nur an der Schanze packen alle kräftig an, um wieder ein großes Event für die erwarteten 25 500 Zuschauer vorzubereiten. Gleichzeitig muss auch im Langlaufstadion die Infrastruktur für die „Tour de Ski“ am 2. und Januar geschaffen werden.

Seit Wochen im Einsatz

Auch beim härtesten Langlauf-Wettbewerb der Welt ist Verlass auf das Know-How der SVG und der vielen versierten Helfer, die seit Wochen dabei sind, anspruchsvolle und gut präparierte Strecken für die weltbesten Langläufer herzurichten. Und dann ist da noch die große Eröffnungsparty zur Tournee morgen Abend um 19 Uhr im Nordic Park. Vor dem Oberstdorf Haus warten wieder viele hundert Skisprung-Fans gespannt darauf, die Top-15 der Welt und die deutsche Nationalmannschaft hautnah zu erleben. „Das ist für Sportler und Publikum schon immer etwas ganz Besonderes“ weiß Stefan Weidhaas aus den Vorbereitungen in den Vorjahren. Obwohl die Teilnahme für die Athleten nicht verpflichtend ist, genießen die meisten das Bad in der Menge, bevor es tags drauf losgeht mit dem ersten großen Skisprung-Spektakel dieses Winters. Wenn die Sportler sich schon lange in ihre Hotels zurückgezogen haben und die Skisprung-Fans aus aller Welt nach dem Feuerwerk im Nordic Park weiterfeiern, brennt in den Büros an der Schanze noch lange das Licht.

Text: Elke Wiartalla (Allgäuer Anzeigeblatt, 27.12.2018)

am 21.12.2018

Vierschanzentournee gesichert

Die Schneeberge im Skisprungstadion

Organisatoren geben Grünes Licht für Skisprung-Spektakel

Das erste große Skisprung-Spektakel des Winters ist gesichert: Am Dienstag gaben die Veranstalter grünes Licht für die 67. Vierschanzentournee, die vom 29. Dezember bis zum 6. Januar in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen stattfindet.

„Wir haben allen vier Austragungsorten genügend Schnee und beginnen bereits mit der Präparierung der Schanzen“, erklärt Johann Pichler aus Bischofshofen, Präsident der Vierschanzentournee.

Auch am Auftaktort Oberstdorf laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. „Die kalten Nächte in der vergangenen Woche kamen gerade recht, damit wir jetzt in der Woche vor Weihnachten die Anlage optimal herrichten können“, erklärt Dr. Peter Kruijer, der Vorsitzende des Skiclubs Oberstdorf und Chef des Organisationskomitees im Allgäu.

Der Run auf die Vierschanzentournee ist dabei ungebrochen. Für das Auftaktspringen gibt es nur noch Karten für die Qualifikation und auch in allen anderen Orten ist der Andrang groß: „Der Vorverkauf boomt wie nie zuvor“, sagt Michael Maurer, Vorsitzender des Skiclubs und OK-Chef in Partenkirchen. Nach dem Tourneeauftakt in Oberstdorf jubelten die Fans im vergangenen Jahr auch beim Neujahrsskispringen in einem voll besetzten Olympiastadion den weltbesten Skispringern zu. Auch in diesem Winter erwarten die Organisatoren bei den Wettkämpfen insgesamt über 100.000 Zuschauer.

Die Favoriten sind in diesem Jahr bunt gemischt. Der Saison-Shooting-Star und Weltcupführende, Ryoyu Kobayashi, kommt aus Japan, hinter ihm folgen mit Piotr Zyla und Kamil Stoch zwei Polen und der Deutsche Skiverband hat mit dem Oberstdorfer Lokalmatador Karl Geiger und Stephan Leyhe zwei ganz heiße Eisen im Feuer. Geiger gewann am Wochenende bei der Tournee-Generalprobe in Engelberg sein erstes Weltcupspringen und fährt entsprechend motiviert in die Heimat. Team Norwegen ist mit Johann Andre Forfang und Robert Johannson ebenfalls in den Top Ten des Weltcups vertreten.

„Jetzt müssen nur noch unsere Adler nachlegen und in Tourneeform kommen“, sagt Alfons Schranz, Vorsitzender des Sport-Clubs Bergisel in Innsbruck. Die Hoffnungen der ÖSV-Adler ruhen auf Stefan Kraft (derzeit 13. im Weltcup) und Daniel Huber, der am ersten Wettkampftag in Engelberg als Dritter aufs Podium sprang.

Mit dem Print@Home-Service können Skisprungfans ihre Karten sicher online unter tickets.vierschanzentournee.com bestellen und bequem zu Hause ausdrucken. Auch heuer warnen die Organisatoren wieder vor unseriösen Anbietern, die Tickets zwar regulär erwerben, diese aber später zu überteuerten Preisen im Internet anbieten. „Wer auf Nummer sicher gehen will, der bestellt direkt im offiziellen Print@Home-Ticketshop der Tournee“, rät Pichler.

Text: Ingo Jensen

am 18.12.2018

Es bleibt viel Geld liegen

Auftaktspringen der 65. Vierschanzentournee

Insgesamt geben Besucher und Urlauber pro Tag zwischen einer und zwei Millionen Euro aus. Was die Großveranstaltung langfristig bringt, ist aber nicht untersucht

Am 30. Dezember ist es wieder soweit: Oberstdorf befindet sich im Ausnahmezustand. Die weltbesten Skispringer katapultieren sich zum Auftakt der 67. Vierschanzentournee im Skisprungstadion unterhalb des Schattenbergs über den Bakken. In der Arena fiebern 27 000 Zuschauer mit, an den Fernsehgeräten und im Internet verfolgen Millionen Menschen das Spektakel. Die Gästebetten in Oberstdorf und Umgebung sind ausgebucht, die Cafés übervoll, Supermärkte, Souvenierläden und Klamottenläden ebenso. Die Urlauber und Skisprung-Fans lassen rund um die Großveranstaltung viel Geld liegen.

Was bleibt unterm Strich bei diesem Spektakel liegen – kurzfristig und langfristig? Genau kann das niemand sagen. Nach Gesprächen mit Experten kristallisiert sich folgende Größenordnung heraus: Pro Tag der Vierschanzentournee – also bei Qualifikation und Wettkampf – sind es jeweils zwischen einer und zwei Millionen Euro. Es gibt eine Untersuchung des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (Dwif) München mit dem Titel „Wirtschaftsfaktor Tourismus für das Allgäu“ aus dem Jahr 2016. Demnach gibt ein Tagesgast ohne An- und Abreisekosten knapp 30 Euro aus, ein Übernachtungsgast pro Nacht gut 113 Euro. Und zwar zu ganz normalen Zeiten. Während einer Großveranstaltung erhöhen sich diese Beträge erheblich. Die Allgäu GmbH, die sich unter anderem um die Vermarktung der Region kümmert, macht für die Vierschanzentournee in Oberstdorf folgende vorsichtige Rechnung auf: Die Skisprungarena ist am 30. Dezember ausverkauft. Durchschnittlich kostet ein Ticket 18,25 Euro. Hinzu kommen Essen und Trinken sowie vor und nach der Veranstaltung das Bummeln und Einkaufen in Oberstdorf. Da dürfte der Tagessatz pro Person am Ende eher bei 50 Euro als 30 Euro liegen. Aber belassen wir es mal bei den 30 Euro. Das sind bei 27 000 Zuschauern 810 000 Euro. Oberstdorf ist zwischen Weihnachten und Neujahr ausgebucht, alle 11 400 Betten sind belegt. Multipliziert mit den 113 Euro für einen Übernachtungsgast sind das knapp 1,3 Millionen Euro. Zählt man die 810 000 Euro der Tagesgäste hinzu, ergibt das 2,1 Millionen Euro.

Natürlich kommen nicht alle Übernachtungsgäste wegen des Skispringens. Aber setzt man auch nur einen Bruchteil der Urlauber an, die extra wegen der Vierschanzentournee Zimmer buchen, dann dürfte die Wertschöpfung immer noch bei mindestens einer Million Euro liegen. Und das ist nur die Zahl für Oberstdorf. Viele der Skisprung-Fans kommen gar nicht in dem Ort unter und nächtigen woanders. Sodass am Ende doch wieder die gut zwei Millionen Euro angesetzt werden könnten, die der Auftakt der Vierschanzentournee der ganzen Region pro Tag bringt. Später kommen sie als Urlauber. Das Geld ist das eine. Aber viel wichtiger ist den Verantwortlichen der langfristige Werbeeffekt. Dr. Peter Kruijer, Vorsitzender des Skiclubs Oberstdorf, der die Vierschanzentournee unterm Nebelhorn organisiert, sagt: Viele Menschen, die das Skispringen oder auch Langlauf-Events im Fernsehen gesehen haben, kämen später als Urlauber hierher. Das wisse man aus Gästebefragungen. Ähnliche Erfahrungen macht Robert Frank, Chef des Parkhotels Frank: „Viele unserer Gäste sind durch die Fernseh-Übertragungen erst auf Oberstdorf und die Region als Urlaubsziel aufmerksam geworden.“

Veranstaltungen wie die Vierschanzentournee bringen also kurzfristig eine Stange Geld, wovon nicht nur Gastronomen profitieren. Noch wichtiger aber scheint der Langzeiteffekt zu sein. TV-Events steigern den Bekanntheitsgrad eines Ortes und vermitteln ein positives Image. Das ist dann für viele Menschen ein Grund, sich den Schauplatz anzuschauen. Diese Tatsache in Euro zu messen, ist aber äußerst schwierig, sagt Stefan Sprinkart, Regionalgeschäftsführer Allgäu der Industrie- und Handelskammer Schwaben. Dazu gibt es noch keine Studie. Übrigens auch nicht darüber, wie viele Menschen abgehalten werden von Großveranstaltungen, weil sie den Trubel fürchten. Das ist jedoch für die Veranstalter ein vernachlässigbarer Aspekt. Denn mehr als voll geht ohnehin nicht.

Text: Allgäuer Anzeigeblatt, 18.12.2018

am 18.12.2018

Vinzenz Geiger ist Newcomer des Jahres 2018

Newcomer des Jahres

Bei der Gala "Sportler des Jahres 2018" wurde Vinzenz Geiger zum "Newcomer des Jahres" gekürt.

Die zum zweiten Mal vergebene Auszeichnung hatte die GlücksSpirale-Zusatzlotterie "Die Sieger-Chance" gestiftet. Sie ist mit je 8000 Euro für Geiger und dessen Heimatverein, den SC 1906 Oberstdorf, dotiert. Der Nordische Kombinierer hatte 2018 bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang Gold im Mannschaftswettbewerb geholt.

Überreicht wurden Geiger die beiden Schecks durch Friederike Sturm, Federführerin der GlücksSpirale im Deutschen Lotto- und Totoblock, sowie seinem Teamgefährten und Vereinskameraden Johannes Rydzek, dem "Sportler des Jahres 2017".

"Jung, sympathisch und schon Olympiasieger. Vinzenz Geiger hat unseren Preis für seine herausragenden Leistungen im Jahr 2018 absolut verdient", kommentiert Friederike Sturm die Wahl des 21-jährigen Allgäuers, der seinen Erfolg bescheiden kommentiert:" Es ist immer noch ein bissle komisch, wenn der Ski-Nachwuchs mich als Olympiasieger anspricht. Aber es ist auf jeden Fall ein schönes Gefühl!"

Friederike Sturm strich heraus, dass die GlücksSpirale dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), den Landessportbünden und der Deutschen Sporthilfe eng zur Seite steht. "Seit ihrer Gründung im Jahr 1970 hat die GlücksSpirale den deutschen Sport mit über einer dreiviertel Milliarde Euro unterstützt", so die Präsidentin von LOTTO Bayern.

Text/Foto: Lotto Bayern

am 17.12.2018

Der neue Siegspringer schenkt aus

Karl Geiger

Karl Geiger vom Skiclub Oberstdorf steht nach 106 Weltcup-Einsätzen zum ersten Mal ganz oben auf dem Treppchen. Das kostet traditionell eine Runde.

Erfolg verpflichtet. Das weiß Karl Geiger schon lange. Schließlich hat der Oberstdorfer bereits vor sechs Jahren sein Debüt im Weltcup gegeben. Seitdem hat der 25 Jahre alte Skispringer an 106 Weltcupspringen teilgenommen. Als Ergänzungsspringer, wie Bundestrainer Werner Schuster ihn wie auch Stephan Leyhe (Willingen) immer wieder genannt hat. Auf der Titlisschanze in Engelberg ist ist aus dem Ergänzungsspringer Karl Geiger der Siegspringer Karl Geiger geworden. 141 Meter weit war er geflogen. Damit konnte er sich von Platz fünf nach Durchgang eins auf Platz eins verbessern. Und am zweiten Wettkampftag ließ er beim Sieg des Weltcupführenden Ryoyu Kobayashi Platz vier folgen.

Das Grinsen war nach dem Erfolg nicht mehr aus dem Gesicht des blonden Allgäuers gewichen. „Jetzt gibt’s ne Runde Bier, das ist Tradition nach dem ersten Sieg oder Podestplatz“, sagte er, nachdem er die Siegerehrung genossen und den schließenden Medienmarathon absolviert hatte. Geiger hat dieses Ritual schon häufig erlebt. Ausgeben hat er jedoch nur einmal gemusst. Im Sommer in Rasnov (Rumänien) hat er zwei Springen gewonnen. Für den Bundestrainer war dies ein Schlüsselerlebnis. „Das war schon ein besonderes Erlebnis“, sagt der Sportler. Auf einmal hat Geiger gemerkt, dass er das Zeug zum Siegen hat. Dabei hatte der Springer dies von Anfang an auf dem Plan. „Ich hätte gerne gleich gewonnen, als ich in den Weltcup gekommen bin“, erzählt er. Oder wie er es auch mal ausdrückt: „Ich habe versucht die Abkürzung zu nehmen. “Dabei habe er jedoch vergessen, dass sich Erfolg nur nach Arbeit einstellt. „Dann fliegt man auf die Fresse“, lautet seine Erkenntnis.

Während Geiger über die Anfänge seiner Karriere erzählt, sitzt Schuster direkt neben ihm und beobachtet seinen Athleten aufmerksam, beinahe mit dem Blick eines stolzen Vaters. „Bei Karl ist es richtig erarbeitet. Man kann es sich erarbeiten“, sagt der Coach. Dann nimmt er sowohl Geiger als auch Leyhe, seine beiden konstantesten Springer in diesem Winter, in die Pflicht. „Ich hoffe, sie bleiben frech und bleiben vorne und warten nicht, bis sie wieder von Richard Freitag und Andreas Wellinger überholt werden.“ Beide haben noch mit kleineren Fehlern in ihrem Flugsystem zu kämpfen. „Die Verbindung bei den Sprüngen funktioniert“, sagt Freitag und meint, dass er nach dem Absprung nicht schnell genug in die richtige Position kommt.

Und bei Olympiasieger Wellinger folgt auf einen guten Sprung wieder ein schwächerer. „Ich schaffe es momentan nicht ganz, den Absprung aus den Beinen zu machen. Dadurch fehlt Höhe und Geschwindigkeit“, erklärt er seine unkonstanten Vorstellungen. Nur gut, dass es Karl Geiger und Stephan Leyhe gibt. Beide haben sich in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt entwickelt. „Ich würde sagen, dass ich noch die kleineren Schritte mache als der Karl“, sagt der Willinger, der nach Patz zwei zum Saisonstart in Wisla auch schon eine Runde Bier ausgeben musste. Nach vielen Tippelschritten haben sie nun die Rolle der Vorspringer übernommen.
Dabei liegt ihnen diese eigentlich gar nicht so.

„Ich bin eher von der ruhigeren Art“, sagt der Allgäuer. Und könnte damit auch Leyhe meinen. Dass nun die Vierschanzentournee ansteht, schreckt die beiden keineswegs. Durch ihre Erfolge haben sie genügend Selbstbewusstsein. „Dieses Jahr kann ich entspannter reingehen, weil ich weiß, dass ich es kann“, sagt Geiger. Seit dem Erfolg 2002 von Sven Hannawald wartet das deutsche Team auf den nächsten Gesamtsieg bei dieser imageträchtigen Veranstaltung. „Bei der Tournee gibt’s immer wieder besondere Geschichten“, sagt Schuster. Er denkt dabei an Thomas Diethart, den Sieger 2014. Dann fügt er an: „Vielleicht schreibt sie Stephan Leyhe.“ Doch bis dies möglicherweise passiert, freut sich Coach über den Premierensieg von Karl Geiger. Und dessen Runde Bier. „Die Sportler bekommen ein kleines, die Trainer und Betreuer ein großes.“ Auch das ist Tradition.

Text: Allgäuer Anzeigeblatt, 17.12.2018

am 17.12.2018

Neuigkeiten, Änderungen und viel Routine

Die Schneeberge im Skisprungstadion

Ressort- und Bereichsleitersitzung für Oberstdorfer Sportgroßveranstaltungen in der „Erdinger Sportalp“

Pünktlich zur Ressort- und Bereichsleitersitzung in der „Erdinger Sportalp“ war es winterlich geworden in Oberstdorf, was Entspannung für all jene bedeutete, die sich schon wochenlang mit der Vorbereitung der Vierschanzentournee und der Fis-Tour de Ski beschäftigen. Etliche Helfer hatten da schon eine Marathonsitzung zum wichtigen Thema „Sicherheit“ hinter sich. Neuigkeiten bei Personalien, bei Streckenführungen und vieles, was für die rund 50 anwensenden Ressort- und Bereichsleiter inzwischen Routine ist, wurde nach einem gemeinsamen Essen besprochen und notiert. Zudem boten der Geschäftsführer der SVG, Florian Stern und der SCO-Vorsitzende, Dr. Peter Kruijer, einen kurzen Überblick über alle weiteren anstehenden Veranstaltungen dieses Winters, verbunden mit dem Dank an alle Ehrenamtlichen für deren bisherigen und zukünftigen Einsatz.

am 14.12.2018

Abtauchen kommt nicht infrage

Nicole Fessel

Langläuferin Nicole Fessel muss wegen einer Fußsohlen-Entzündung weiter pausieren. Gedanken an einen Rücktritt verdrängt die 35-Jährige beim Strampeln im Hallenbad.

Für Nicole Fessel sind es Tage voller Frust und Verzweiflung. Während ihre Nationalmannschaftskolleginnen zuletzt in Norwegen um Weltcup-Punkte kämpften, saß die 35-jährige Langläuferin des Skiclubs Oberstdorf zuhause und verfolgte die ersten Rennen der Saison nicht mal am Fernseher („das schmerzt ja noch mehr“), sondern nur im Liveticker. Die nicht gerade für ihre Geduld, sondern eher für ihren Ehrgeiz bekannte Fessel hat die Lehren aus der vergangenen Saison gezogen, in der sie oft körperlich geschwächt war – und doch versuchte, mit aller Gewalt zu starten – auch, um bei den Olympischen Spielen in Südkorea fit zu sein und ihren bis dato größten Erfolg, die Staffel-Bronze-Medaille von Sotschi 2014, zu wiederholen. Doch der Plan misslang: Die Oberstdorferin erlebte in Pyeongchang die vielleicht bittersten Momente ihrer Karriere. Zwei kurzfristige Absagen bei den Einzelstarts, krankheitsbedingter Verzicht auf die Staffel und ein enttäuschender zehnter Platz mit Sandra Ringwald im Teamsprint. Seitdem hat Fessel keinen offiziellen Wettkampf mehr bestritten. Der lange Leidensweg hat ein Umdenken bewirkt: „Ich werde nicht noch einmal den Fehler machen und nicht auf meinen Körper hören“, sagt Fessel und ergänzt: „Deshalb will ich mich diesmal komplett auskurieren.“

Seit August leidet Fessel, die inzwischen mit ihrem Freund Florian Glimsdal Eberspacher in Betzigau bei Kempten wohnt, an einer schmerzhaften Fußsohlen-Entzündung zwischen Ferse und Ballen. Auslöser war, so vermutet Fessel, eine Überbelastung im Training – noch dazu mit einem falschen Joggingschuh. An Konditionseinheiten war fortan nicht mehr zu denken. Sie konnte weder in einen Turn-noch in einen Langlaufschuh schlüpfen. Zusammen mit ihren Trainern wurde ein alternatives Fitnessprogramm ausgearbeitet. Radfahren und Krafttraining für den Oberkörper – das funktionierte. Die meisten Trainingsstunden verbrachte Fessel zuletzt im Hallenbad. „Ich war viel schwimmen und habe Aqua-Jogging gemacht. Das ist zwar etwas komplett anderes, aber bezüglich Atmung und Koordination konnte ich immerhin neue Reize setzen“, sucht und findet Fessel das Positive am Reha-Programm. Hilfe verspricht sich die 35-Jährige auch vom Münchener Physiotherapeuten Fredi Binder, der sich viele Jahre erfolgreich um die lädierten Fußballer des FC Bayern gekümmert hatte. Wann Fessel vollständig genesen sein wird
und in die Loipe zurückkehren kann, steht in den Sternen.

Zwar zeigt sich das langjährige Aushängeschild des deutschen Frauen-Langlaufs optimistisch und kämpferisch, wenn sie sich im Sonthofer Wonnemar beim Aquajogging fotografieren lässt, sie gesteht aber auch, dass sie sich in letzter Zeit vermehrt Gedanken über einen Rücktritt gemacht habe. „Natürlich geht einem das mit 35 immer wieder mal durch den Kopf. Gerade, wenn es überhaupt nicht läuft“, sagt Fessel. Jetzt alles hinzuwerfen, käme für sie aber nicht infrage. „So will ich nicht aufhören“, sagt sie – und hat vermutlich noch die qualvollen Tage von Pyeongchang im Hinterkopf. Fessel, die sich seit Kindesbeinen an dem Langlauf verschrieben hat, 2003 ihren ersten von insgesamt 242 Weltcups und 2005 in ihrer Heimat Oberstdorf ihre erste Nordische Ski-WM absolvierte, hat andere, viel versöhnlichere Vorstellungen von ihrem Karriere-Ende.

WM in Seefeld in weite Ferne gerückt

Da die Ski-WM in Seefeld im kommenden Februar für Fessel in weite Ferne gerückt ist, richtet sich ihr Blick sogar zwei Jahre weiter nach vorn. 2021 findet die WM wieder in Oberstdorf statt. „Das wäre für mich ein großartiger Abschluss“, sagt sie, beweist aber Realitätssinn und weiß, dass es bis dahin auch ein beschwerlicher Weg werden könnte: „Ich bin schon lange im Leistungssport. Das merke ich – sowohl körperlich als auch mental.“

Text: Allgäuer Anzeigeblatt, 14.12.2018

11 bis 20 von 808123456789